New World Order

Was haben Mama Merkel, Weichkartoffel Westerwelle und Tofuwurst Trittin gemeinsam? Und ich meine jetzt nicht die offensichtliche Unfähigkeit, sympathisch oder kompetent zu wirken, geschweige denn zu sein. Auch nicht, dass sie alle im Bundestag ihr Unwesen treiben, obwohl das sicher zur Frage beträgt. Nein, was ich meine ist, dass sie alle Bilderberger sind.

Jetzt haben wir vermutlich ein kleines Problem, denn viele werden sich fragen: Was ist denn Bilderberg? Nun, um es schlicht und kurz zu formulieren: ein seit 1954 jährlich stattfindendes Treffen von Führungskräften aus Politik, Adel, Wirtschaft, Medien und dem Hochschulwesen. Warum das niemand bzw. nur relativ wenige Menschen wissen? Zunächst weil diese Konferenzen „inoffiziell“ erfolgen. Das heißt, dass jeder Teilnehmer als Privatperson anreist. Und was geht uns schon das Privatleben anderer an?! Den Wink verstehen schon die richtigen Leute. Dieses „inoffiziell“ könnte man leicht mit „geheim“ austauschen, denn auch wenn die Teilnehmerlisten und Themen mittlerweile öffentlich auf ihrer Internetseite bekannt gegeben werden, weiß niemand, was wirklich hinter verschlossenen Türen diskutiert und beschlossen wird. Angeblich gehen die Ideen zur EU und zur NAFTA auf ehemalige Treffen zurück.

Jetzt spalten sich die Leser vermutlich in zwei Gruppen. Diejenigen, die schockiert und besorgt sind über ein solches Treffen zu erfahren und diejenigen, die alle Befürchtungen und Spekulationen als Verschwörungstheorie abtun. Ich muss zugeben, dass ich aus mehreren Gründen zur ersten Gruppe gehöre. Erst einmal, muss man kein Unheilsprophet sein, um es verdächtig zu finden, wenn sich die Reichen und Mächtigen drei Tage lang in ein Nobelhotel einquartieren und über Weltpolitik sinnieren. Ohne jemals Reporter oder Journalisten teilhaben zu lassen, noch Protokolle oder Ähnliches auszugeben. Die könnten genauso gut Orgien feiern oder Monopoly spielen. Besagte Hotels werden übrigens hermetisch abgeriegelt, von Sicherheitsdiensten, Polizei und den Geheimdiensten wie z.B. CIA, BND und Mossad. Da wird schon mal der Polizeistaat in Miniatur geprobt.
Dazu kommt die Entstehungsgeschichte der Bilderberg-Konferenz, die vor allem dank Mogul- und Milliardärsfamilien wie den Rockefellers, Rothschilds und Harrimans zu Stande kam. Ein politisches Treffen durch Konzerne organisiert. Andere würden es vielleicht Bestechung und Korruption nennen, aber wer bin ich, um die Entscheidungen dieser Leitbilder in Frage zu stellen. Der dritte Grund, mich zur Fraktion der Besorgten zu zählen ist, dass ich lieber mit dem Schlimmsten rechne und mich im Nachhinein sehr gerne eines Besseren belehren lasse. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Oder Tyrannei.

Während sich die Queen also letztes Wochenende für ihre Funktion als langjährige Repräsentantin preisen ließ, nahmen zusammen mit ihrer Amtskollegin, der Königin der Niederlande, insgesamt circa 150 Männer und Frauen von Geltung an der diesjährigen Konferenz teil. Diese fand zum dritten Mal in den letzten zehn Jahren im Westfields Marriott Hotel von Chantilly, Virginia, USA statt. Das hat natürlich die praktischen Nebeneffekte, dass man sich da bereits auskennt, es sich in der Nähe von Washington und vor allem vom CIA-Hauptquartier in Langley befindet. Sowas erleichtert die Überwachung von Demonstranten natürlich ungemein.

Den Vorsitz hat seit 2001 ein gewisser Henri de Castries inne. Der Name sagt vermutlich fast niemanden etwas. Der Herr ist der Chef der französischen AXA Versicherungsgruppe und dicker Kumpel von Sarkozy. Auch deutsches „Fachpersonal“ war zugegen. In alphabetischer Reihenfolge:
Josef Ackermann (Deutsche Bank), Thomas Enders (Airbus), Wolfgang Ischinger (Allianz), Roland „Gollum“ Koch (Bilfinger Berger), Peter Löscher (Siemens), Matthias Nass (Die Zeit), Wolfgang Reitzle (Linde) und eben Jürgen Trittin.

Andere Vertreter gehören den üblichen Verdächtigen wie Goldman Sachs, Barclays, Coca-Cola, Royal Dutch Shell usw. an. Wer seit der Gründung des „Vereins“ 1954 und, bis 2011 jedes Jahr teilnahm, war David Rockefeller höchst persönlich, den man für so Äußerungen wie: „Wir sind an der Grenze zu einer globalen Transformation. Alles was wir brauchen, ist eine richtige große Krise und die Nationen werden die Neue Weltordnung akzeptieren“ einfach nur ins Herz schließen kann. Doch dieses Jahr blieb der mittlerweile 97-jährige Philanthrop lieber daheim. Wahrscheinlich wollte er einfach mal sein Geld zählen und wurde bisher nicht fertig. Vermutlich ist er auch deswegen so alt: Der Wille ist alles! Ich hege die Befürchtung, dass er unsterblich werden könnte.

Die bereits erwähnten Merkel und Westerwelle waren bei früheren Treffen anwesend. Die Kanzlerin 2005, die Föhnfrisur 2007. Aber die Liste der deutschen Bilderberger ist lang: Eckart von Klaeden, Joschka Fischer, Klaus Zumwinkel, Hubert Burda, Mathias Döpfner, Helmut Schmidt sowie seit den 60er Jahren immer ein Vertreter der Deutschen Bank und der Zeitung „Die Zeit“. Jürgen Schrempp ist im Führungskomitee, das die Gästeliste erstellt und der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel war von 1980 bis 1985 sogar Vorsitzender. Alles richtig nette Gestalten.

Was wird uns anhand dieser deutschen Auswahl verdeutlicht?
1. Die kapitalistischen Eliten machen keine politischen Unterschiede. Nicht, dass ich das jemals vermutet hätte, aber es wäre eine schöne Überraschung gewesen. Hast du Macht und Einfluss, bist du hier richtig. Wenn es nicht klappt, wirst du halt wieder abgesägt.
2. Dass nur wenige von der Bilderberg-Konferenz gehört haben liegt nicht nur am Mangel von herausgegebenen Informationen, sondern auch an der bewussten Nichterwähnung in Zeitung und Fernsehen. Oder warum sonst sind die Bosse der Medien anwesend? Da soll noch mal jemand behaupten, dass Zeitungen nicht politisch und kommerziell gelenkt werden!
3. Die Teilnehmer nehmen es mit der Verschwiegenheit über das Treffen und seine Themen sehr ernst. Bisher hat noch nie jemand etwas ausgeplaudert. Das beweist, dass Jürgen Trittin entweder sehr mutig ist, oder dümmer als man befürchtet, wenn er in seinen Twitter-Einträgen aus dem Nähkästchen plaudert. Da stehen dann so Dinge wie: „Too little too late - auch beim Bilderberg-Meeting massive Kritik an Merkels Euro-Politik. Zerstört Europas Integration.“, oder „Es sind nichjt die Länder die beim Fiskalpakt blockieren, sondern es ist Wolfgang Schäuble der blockiert.“ (sein Tippfehler!).

In Kombination mit den letzten beiden deutschen Politikern, die an der Konferenz teilnahmen, Peer Steinbrück 2011 und Olaf Scholz 2010 habe ich den leisen Verdacht, dass Mama Merkel den Thron demnächst räumen muss. Wollen wir wetten, dass spätestens 2013 bei der Bundestagswahl Rot-Grün wieder an die Macht kommt? Es gibt ohnehin so einige „Zufälle“ in Zusammenhang mit den Bilderberg-Konferenzen. Zum Beispiel nahm 2010 auch der jetzige italienische Ministerpräsident Monti teil. Knapp ein Jahr später wird er eben Selbiges. Das Treffen 2009 fand in Griechenland statt und spätestens 2010 wurde die dortige Finanzkrise bekannt. Im Jahr 2010 traf man sich in Spanien. Seitdem kriselt es im Land gewaltig. Die Schweiz wurde 2011 auserkoren und prompt erwischte es den sonst so stabilen Franken. Ja ich weiß, dass die Ereignisse alle mit der Wirtschaftskrise zusammenhängen und auch, dass es den Anschein erweckt, als würde ich Beweise suchen. Aber wie entsteht eine solche Krise? Da fragen wir am besten die graue Eminenz der Kapitalherrschaft, Herrn Rockefeller. Da dämmert doch was von wegen Krise.

Zu den „Gästen“ mit Bilderberg-Abo gehört neben Rockefeller auch Henry Kissinger, eines meiner Lieblingsfeindbilder. Abgesehen davon, dass er das Attentat auf Salvador Allende in Auftrag gegeben hat, tat er sich noch durch Aussagen wie folgende hervor:
„Die Entvölkerung sollte die höchste Priorität der Außenpolitik in Bezug auf die Dritte Welt sein, denn die US-Wirtschaft wird immer höhere Mengen an Rohstoffen aus dem Ausland benötigen, vor allem aus weniger entwickelten Ländern.“
„Heute wäre Amerika entrüstet, wenn UN-Truppen in Los Angeles einmarschieren würden, um die Ordnung wieder herzustellen. Morgen wären sie dankbar! Das trifft vor allem dann zu, wenn man ihnen erzählt, dass ihre Existenz von einer äußeren Gefahr bedroht würde, egal ob reell oder promulgiert. Dann wären alle Völker der Welt bereit, dass sie darum flehen würden, sie von dem Bösen zu befreien. Was jeder Mensch fürchtet ist das Unbekannte. Wenn sie mit diesem Szenario konfrontiert wären, würden sie freiwillig ihre Rechte eintauschen; für ihr garantiertes Wohlergehen durch eine Weltregierung.“

Jetzt wissen wir, wie man einen Friedensnobelpreis bekommt und den Magen von Lesern revoltieren lässt. Und irgendwie kommt es mir so vor, als ob ich die Theorie auch schon mal in der Praxis umgesetzt gesehen habe. Ach ja richtig! Im Zusammenhang mit dem 11.09.2001 und den alles bedrohenden Terrorismus. In den USA grandios mit Homeland Security und Patriot Act ausgeführt. Seit letzter Woche weiß ich, dass im neuen deutschen Reisepass Fingerabdrücke mit rein müssen. Für mich sind solche Aussagen und Taten Beweis genug. Und ein Grund mehr, mich vom Kapitalismus, vom Föderalismus und vom Korporatismus fernzuhalten!

Denn in einem Punkt hat Kissinger recht: Der Mensch fürchtet sich vor dem Unbekannten.
Ändern wir das.

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