Der Frühling des Gaucklers

Ach, ist es nicht schön, zu sehen, wie sich die Deutschen blindlings und voller Freude ins nächste Unheil stürzen? Dank dem Zugpferd Massenmedien und Mama Merkel, die für alles eine gemeinsame Lösung findet, sind sich alle, inklusive Parteien, einig: Der Gauck ist der richtige für den Job als Bundespräsident! Kommt es nur mir so vor, oder ist stur nicken und dümmlich lächeln mittlerweile das Einzige, was die Bevölkerung zu Wege bringt? Interessiert sich jemand für Joachim Gaucks Vergangenheit? Ideen? Themen? Politische Ausrichtung?

Der Herr Pastor entschied sich damals in der DDR zum Theologiestudium, da er für seinen eigentlichen Traumberuf Journalist im kommunistischen System keine Perspektive sah. Gut; darüber lässt sich jetzt streiten, welche Dogmen rigoroser sind, die des Kommunismus oder die des Christentums, aber sei es drum. Jedenfalls hat sich Joachim Gauck für einen konservativen Weg entschieden. Woran man das merkt; abgesehen von dem offensichtlichen Heiligenschein?
Er hasst Die Linke.

Vielleicht ist Hass das falsche Wort, da es ohnehin schon inflationär verwendet wird, aber seine Abneigung, erst gegen PDS und jetzt gegen Die Linke, als Nachfolgeparteien der SED, steht fest. Schließlich war er für die Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz. Ich bin kein Fan jeglicher Partei, aber wenn man nur von den Erfahrungswerten ausgeht, sollten eher die Steuerhinterzieherpartei FDP und Spendenskandalpartei CDU beschattet werden, aber das ist ein anderes Thema. Aber warum geht er auf Konfrontationskurs?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder Herr Gauck ist noch so traumatisiert von den Geschehnissen in der DDR, dass er selbst Menschen, die nichts mehr damit zu tun haben nicht über den Weg traut, oder er versucht sich somit so weit wie möglich von ihnen zu distanzieren. Als Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde war er von 1990 bis 2000 für die Aufarbeitung und Dokumentierung von Stasi-Akten zuständig. Somit konnte er sich beim „Feind“ revanchieren oder die Position geschickt nutzen, um eigene, nennen wir sie Fehltritte, zu kaschieren. Denn trotz eines gerichtlichen Entscheides, der Gaucks Unbescholtenheit bestätigte, halten sich Gerüchte und Aussagen, die ihn als Begünstigten der DDR-Regierung anprangern. Wie dem auch sei, aber da unser neuer Bundespräsident für die schonungslose Aufklärung eintritt, fände ich es nur angebracht, wenn bald Klarheit in die Sache käme. Sonst wünschen wir uns noch den Wulff zurück.

Doch die Massen jubeln. Herr Gauck ist gegen AKWs und gegen die Vorratsdatenspeicherung. Klar. Welcher halbwegs bei Bewusstsein befindlichen Politiker würde nach Fukushima und diversen Bespitzelungsskandalen offen für diese Themen sein. Okay, mir würden ein paar einfallen, aber ich sagte halbwegs bei Bewusstsein und nicht schein- oder hirntot! Dass Gauck im gleichen Atemzug die „Occupy Wall Street“-Bewegung niedermacht und die Antikapitalismusdebatte als „unsäglich albern“ abtut, scheint niemanden zu stören. Menschen, die das System kritisieren, weil es Millionen zum Fenster nach Griechenland oder in die Banken raus wirft; die sich betrogen fühlen. Alles nichts wissende Narren, nicht wahr Herr Bundespräsident?

Wo wir bei den Themen System, Geld und international sind: Joachim Gauck ist Mitglied der „Atlantikbrücke“. Hand aufs Herz, wer kennt diese Organisation? Fast niemand. Der Verein wurde Anfang der 50er gegründet, um deutsch-amerikanische Beziehungen zu etablieren und Kontakte zu pflegen. Dass es sich bei seinen Mitgliedern um führende Politiker, Industrielle und Publizisten handelt, gibt der Sache einen doch leicht faden Beigeschmack. Zum erlauchten Kreis gehören unter anderem Guido Westerwelle, Karl Theodor zu Guttenberg, Thomas de Maiziere, Cem Özdemir, Christian Wulff, Silvana Koch-Mehrin, Dr. Jürgen Großman (der u.a. in den Vorständen von RWE, VW, Deutsche Bahn und BAT sitzt), sowie Friedrich Merz („deutsche Leitkultur“; ihr erinnert euch ja?), der vor kurzen noch ein Buch veröffentlicht hat mit dem Titel: „Mehr Kapitalismus wagen“. Da kann der Gauck noch so parteilos sein, aber, dass da etwas nicht stimmt, sieht selbst ein Blinder!

Vor meinen Augen gibt es da die unglaublichsten Verflechtungen und Bündnisse, wo die ihre Finger mit im Spiel haben; und keine der schönen Sorte. Es gibt da eine Seite Namens www.theyrule.net, auf der Verknüpfungen von Vorsitzenden und Aufsichtsräte diverser Unternehmen aufgezeigt werden. Leider ist sie nur für die USA kreiert worden, denn in Deutschland sieht es keineswegs anders aus. Das hat VW schon geschickt gemacht, sich stets den amtierenden Ministerpräsidenten Niedersachsens mit in Boot zu holen. Da geht man auf Nummer sicher, dass der Laden läuft. Tja und die Atlantikbrücke ist doch die perfekte Verbindung zwischen europäischen und amerikanischen „Interessen“.

Nach den ganzen Verfehlungen unserer letzten Bundespräsidenten gab es letzten Sonntag also die nächste Wahl. Eine kleine Auswahl der Schandtaten gefällig? Rau: Düsseldorfer Flugaffäre und WestLB; Köhler: sein wirtschaftlicher „Hintergrund“ und die grandiose Äußerung zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr mitsamt seinem Rücktritt und bei Wulff: man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Er war und ist vermutlich noch immer für die Verlängerung von AKWs (war da nicht was mit hirntot?), Vorteilsnahme, Medienbehinderung (also nicht sein Gesicht, sondern… egal...), hat als VW-Vorstand falsche Informationen raus gegeben und verglich die „Hetze“ gegen Manager mit der Pogromnacht. Kein Witz! Und diese Menschen lebten in Schlösser und Villen, vertraten Deutschland und erhalten (oder auch nicht) jährlich ein Riesengehalt; bis ans Lebensende. Momentan sind es dann also fünf bzw. sechs Herren. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich halte das Amt des Bundespräsidenten für unnötig und überholt.

Die Wahl, die nebenbei bemerkt eine Million Euro gekostet hat, da man die ganzen Abgeordneten ja extra einfliegen musste, endete wie erwartet bzw. befürchtet mit einem Erdrutschsieg des Herrn Gauck. Mama Merkel ist es, wie schon bei Christian Wulff, gelungen ihren Wunschkandidaten durchzuboxen. Und wie bei Wulff wird sie sich beim ersten Anzeichen von Ärger wieder geschickt raushalten. Das ist ihre ganze Politik.

Joachim Gauck lächelt sich derweil einen Wulff…äh...Wolf, freut sich seines Lebens und ist sich der Sympathien bewusst. Aber nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden seines Vorgängers sollte das auch nicht allzu schwer sein. Meine Befürchtung ist nur, dass uns die Merkel erneut ein Kuckucksei ins politische Nest gelegt hat. Bei Wulff waren sich auch alle einig, dass er ein tolles Aushängeschild für Deutschland sei, jung und dynamisch. Mal schauen, ob der Pastor seine reine Weste behält oder uns nun ebenfalls etwas vorgaukelt und zum Narren hält. Denn ich höre schon die Glöckchen läuten.

Vorhang auf und lasst die Schauspiele beginnen.

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