Dem Kind einen Namen geben

Egal ob in der Stadt oder bei der Suche über Google ist sie allgegenwärtig: Werbung. Sie spielt mittlerweile eine so wichtige Rolle in unserer Gesellschaft, dass es sich im Prinzip kein Betrieb mehr leisten kann, ohne PR-Berater oder Ähnliches auszukommen. Bei großen Ereignissen ist es nicht anders, wenn man z.B. an die Fußball-Weltmeisterschaft denkt. Jede Firma, die was auf sich hält, möchte vertreten sein. Umso mehr wundert es dann einen, wenn man über unglückliche Namensgebungen oder Kampagnen stößt.

Die vielleicht nervigste Werbung im deutschen Sprachraum ist der im Radio erklingende „Seitenbacher Müsli“-Spot, der vom Chef des Unternehmens höchstpersönlich gesprochen wird. Man kann jetzt darüber streiten, ob der Mann ein Genie oder einfach nur bekloppt ist, aber Wiedererkennungswert und Bekanntheit sprechen für diese Reklame. Ich selbst wünsche mir aber jedes Mal, wenn ich seine Stimme vernehme, dass mir die Ohren abfallen. Oder sie sich wenigstens verschließen würden. Spontane Taubheit. Da muss die Evolution noch nachsitzen; die Augen kann ich ja auch schließen und mir so diverse Anblicke ersparen.

Eine Branche, die vollkommen im Wahn der Namensgebung zu schwelgen scheint, ist die der Teehandelsunternehmen. Ihre Produktnamen erinnern an eine Mischung aus Esoterik und Fieberträumen; mit jedem erdenklichen Klischee. Wenn man dann noch die gute Frau Graf mit einem Dauergrinsen im Fernsehen sitzen sieht, dass ich sonst nur von Kiffern kenne, weiß man, woran man ist: Es gibt Tees die heißen „Oase der Inspiration“ oder „Basis der Seele“. Was suggerieren diese Namen, außer dem fragwürdigen Gemütszustand der Werbeleute? Ich trinke eine Tasse „Zeit für Energie“ und kann danach einen Marathon laufen? An der Menge kann es auch nicht liegen, denn davon rennt man dann höchstens dauernd auf die Toilette. Auch schön sind „Himmelszauber“ und „Freu dich“. Klein geriebene Wolke und ein Befehl. Jawohl meine Teehandlung! Vielleicht schmecken die Tees ja tatsächlich, aber allein aufgrund des Namens weigere ich mich, sie zu kaufen.

Nicht, dass die Teevertreiber alleine dastehen würden mit ihren fragwürdigen Einfällen. Auch die Hygiene- und Kosmetikartikel in unseren Märkten zeichnen sich durch eine kreative Ader aus: „Fantasy Moments“ (Deo) und „Mystik Moments“ (Duschgel) sind nur zwei Beispiele. Bei Weichspülern Namens „Energy“ oder „Mystery“ geht es weiter. Ziemlich geheimnisvoll dieser Industriezweig. Aber wenn das Zeug auch als Droge missbraucht werden kann, wie in einigen Gefängnissen wohl bereits geschehen, wundert mich in der Hinsicht auch nichts mehr.

Dann gibt es noch die Namen, die unnötig geschmückt werden, oder kleine sinnlose Zusätze bekommen. Hier scheint die Getränkeindustrie betroffen zu sein. „Fürst Bismarck Wellness Emotion“ für ein Mineralwasser mit Geschmack; wenn das der alte Kanzler wüsste. Und was hat Zuckerwasser mit Wellness zu tun? Noch besser ist „Active O2 – der Powerstoff mit Sauerstoff“. Mineralwasser. Einfaches Mineralwasser verdammt! Zweifelsohne mit mehr Sauerstoff als andere Produkte, aber gesund ist auch was anderes. Soll ja super für aktive Menschen sein. Ich kenne keinen Sportler, der das zu sich nimmt.
Kommen wir zur lustigen Wunderwelt der Sprache. Große Firmen vertreiben ihre Produkte teils auf dem ganzen Globus und dafür sind Produktnamen notwendig, die sich zum einen in das Gedächtnis einbrennen und zum anderen keine Fragen oder Witze nach sich ziehen. Das Problem: Wenn Zweites nicht beachtet wurde, trifft Ersteres automatisch zu. Wie beim „Mitsubishi Pajero“. Da haben einige Leute wohl geschlafen, denn „pajero“ bedeutet in der spanischen Umgangssprache „Wichser“. Man kann sich den Tumult vorstellen, den es in der Firmenzentrale gegen haben muss. Mittlerweile heißt der Wagen auch „Montero“ und dennoch wird man sich lange daran erinnern.
Ein anderer Klassiker: das Kinderbett „Gutvik“ von „IKEA“. Dazu muss man wohl nichts mehr sagen, außer dass ich mich damals köstlich amüsiert habe. Man sollte die Beschreibung der Ware vielleicht von „Kinderbett“ in „Kinderzeugungsbett“ umwandeln. Das ergäbe Sinn. Werde es mal beim nächsten Matratzentesten im „IKEA“ ansprechen und vorschlagen.
Ähnlich verhält es sich mit einem gewissen Bonbon: „Sahne Muh-Muhs“. Ja ich weiß, dass es die schon länger gibt und nennt mich kindisch, aber ich habe noch nie das Verlangen gehabt, ein solches Naschwerk zu probieren. Mein Hirn assoziiert eben anderes damit.
Aber in den 70ern und 80ern gab es auch Diätpille die „Ayds“ hieß. Blöd wenn dann eine Krankheit berühmter wird und man eben was anderes mit dem Namen in Verbindung bringt.
Und so manche Elektronikabteilungen mussten sich wohl der Rassismusvorwürfe erwehren, angesichts eines MP3-Players mit dem markanten Namen „i.Beat Blaxx“. Hier hilft auch keine Ausrede mehr. Weder, dass man die Sprache nicht beherrscht, noch den vermehrten Alkoholkonsum in der Werbeabteilung.

Die Sprache dient manchmal auch dazu, Produkte interessanter zu machen. So ist es in großen Teilen Asiens gängig Erzeugnissen englische Namen zu geben, oder zumindest die Aussprache in lateinischen Buchstaben aufzudrucken. Was manchmal dabei heraus kommt, reicht von Chips die „Puke“ heißen bis zu weißen Kugelschreibern Namens „Obama“. Könnte man schon als Wunschdenken abtun.

Da sieht man, dass manche Menschen in unseren Augen schon komisch erscheinen können. Durchaus auch auf Grund ihrer persönlichen Namen oder Nachnamen. Für beides kann betroffene Person reichlich wenig, aber warum muss man diese dann teils ungeschickt vermarkten? Eine Metzgerei „Ranzig“ erweckt in mir nicht gerade Vertrauen. Einem Bestattungsinstitut „Möse“ würde ich eher auch nicht mein Ableben in die Hände geben.

Wobei…

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